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Tobias Gehrke, HC Oppenweiler/Backnang

Die besten Chancen liegengelassen



HCOB-Handballer verpassen beim 25:26 gegen den HBW II im letzten Angriff den Ausgleichstreffer

Es war zum verrückt werden. Die Handballer des HC Oppenweiler/Backnang haben im Drittliga-Heimspiel gegen HBW Balingen-Weilstetten II die besten Torgelegenheiten ausgelassen – und standen am Ende mit einer bitteren 25:26-Heimniederlage ohne Punkte da. Und das zum vierten Mal in Folge. Ab jetzt muss sich der ganze Fokus darauf richten, Platz sechs zu verteidigen und nicht in die Zone der Teams zu rutschen, die in die Abstiegsrunde müssen.

Ausgerechnet Marcel Lenz, der sonst so treffsichere Flügelspieler, vergab kurz vor der Schlusssirene die Chance zum Ausgleich. Er scheiterte mit seinem Wurf vom rechten Flügel an Filip Baranasic, dem kroatischen Schlussmann des HBW, der zum Matchwinner für sein Team avancierte. Und das nicht nur aufgrund seiner finalen Glanztat, auch in den 60 Minuten zuvor brachte er die Murrtaler mit seinen Paraden zur Verzweiflung. Wäre es ein glücklicher oder ein verdienter Punktgewinn für den HCOB gewesen? Vermutlich irgendwo dazwischen. Schlussendlich blieb es ohnehin beim Konjunktiv. Frust bei den Murrtalern.

Aber der Reihe nach. Der HCOB setzte erste Akzente, Kevin Wolf setzte sich zweimal durch und traf. Die rund 350 Zuschauer hatten den Eindruck, ein deutlicherer Vorsprung für die Hausherren wäre möglich. Aber der treffsichere HBW-Außenspieler Tim Hildenbrand sorgte dafür, dass seine Farben gleichauf blieben und nach einer guten Viertelstunde erstmals zwei Tore vorlegte. Angetrieben vom kampfstarken und treffsicheren Ruben Sigle glich der HCOB immer wieder aus. Aber es gelang den Hausherren nicht, die Führung zurückzuerobern. Immer wieder kam ein Fehlwurf oder ein technischer Fehler dazwischen. Schon in dieser Phase war zu oft Endstation bei Keeper Filip Baranasic. Eine weitere Stärke der Gäste: sie leisteten sich im Angriff kaum Ballverluste. Und so gingen sie mit einer 15:13-Führung in die Kabinen.

Im zweiten Durchgang kämpfte der HCOB entschlossen um den Anschluss. Die Abwehr funktionierte phasenweise sehr gut. Auch Torwart Jürgen Müller war nun im Spiel. Beim 17:17 war der Ausgleich hergestellt, beim 19:18 gelang den Murrtalern die erste Führung nach langem. Beide Male hatte Marcel Lenz getroffen. Und wie schon zu Beginn des Spiels hatte wohl so mancher Zuseher das Gefühl, dass nun der Knoten geplatzt sein könnte. Er war es aber nicht. Die Murrtaler schafften es einfach nicht, konstant nachzusetzen. Fehlabgaben, Fehlwürfe. Ruckzuck war die Führung wieder weg. Nach 47 Minuten hieß es erneut: Zwei Tore Vorsprung für Balingen-Weilstetten. Ärgerlich, aber die Chancenverwertung war einfach nicht gut genug für eine bessere Ausgangslage.

Kampfgeist und Moral stimmten. Der HCOB holte ein 20:22 auf, steckte auch ein 22:24 weg und glich wieder aus. Doch das kleine Quäntchen Glück, auf das in der längst zum Krimi gewordenen Partie nun ankam, wollte sich einfach nicht auf die Seite der Murrtaler schlagen. Marcel Lenz scheiterte mit einem Siebenmeter an Baranasic, auf der Gegenseite sorgte Philipp Maurer per Treffer aus spitzem Winkel für den 25:26-Anschlusstreffer, ziemlich genau fünf Minuten vor dem Ende. Was keiner ahnte: das war auch der Endstand. Ruben Sigle warf zwar noch ein Tor, das 26., es hätte den Gleichstand und letztlich das Remis bedeutet. Er wurde jedoch zurückgepfiffen, das war frustrierend. Aber vor allem vergaben die Murrtaler selbst die besten Chancen. Und Marcel Lenz war am Ende der, der mit dem finalen Wurf aufgebürdet bekam. Schon oft bewies er in solchen Momenten Nervenstärke, dieses Mal war Filip Baranasic zur Stelle. Er wehrte den Ball ab, und für den HCOB war in diesem Moment klar: die Punkte waren weg.

Stimmen zum Spiel

HCOB-Trainer Matthias Heineke: „Es war ein sehr emotionales und kämpferisches Spiel, alle haben alles gegeben. Wir haben mit dem letzten Angriff die Chance, zumindest einen Punkt zu holen, aber wir machen das Tor nicht. Wir haben ohnehin nur 25 Tore geworfen, dabei hatten wir Chancen für viel mehr. Darum ist das auch sehr schwer zu verdauen, denn abgesehen von der Torausbeute haben wir sehr viele Sachen gut gemacht.“

HBW-Trainer Micha Thiemann: „Es ist ein geniales Gefühl, mit so einer jungen Truppe in Oppenweiler zu gewinnen. Das Spiel hatte nicht viel Fluss und war sehr zäh, aber ich bin stolz, dass wir uns in einer solchen Nervenschlacht durchgesetzt haben.“

Rund ums Spiel

Nun also Corona-Warnstufe, und damit auch wieder neue Regeln für den Hallensport. Man merkt, dass die Handballfans noch verunsichert sind. Nach dem guten Besuch gegen Pfullingen vor drei Wochen war dieses Mal wieder eine Zurückhaltung zu verspüren, es kamen „nur“ 350 Fans.

Tabellarisch hat der HCOB den sechsten Rang inne. Aber das Punktekonto ist zum ersten Mal in dieser Runde ins Minus gerutscht. Und weil alle Teams ab Rang sieben abwärts nach dem Grunddurchgang in eine Abstiegsrunde müssen, ist klar: nach vier aufeinanderfolgenden Niederlagen müssen nun wieder Punkte her. In den beiden ausstehenden Begegnungen der Vorrunde geht es nun auswärts gegen die TSG Söflingen und dann in einem Heimspiel gegen den TV Plochingen.

Spielverlauf: 4:4, 9:9, 13:15 – 19:18, 24:24, 25:26.

HC Oppenweiler/Backnang – HBW Handball Balingen-Weilstetten II 25:26 (13:15)

HC Oppenweiler/Backnang: Jürgen Müller, Stefan Koppmeier, Marcel Lenz (6/3), Tobias Gehrke (2), Timm Buck, Felix Raff (2), Ruben Sigle (6), Luis Villgrattner (1), Kevin Wolf (3), Isaiah Klein, Jakub Strýc (1), Sebastian Frank, Philipp Maurer (4), Eric Bühler, Lukas Rauh, Tim Düren, Florian Frank, Matthias Heineke, Miriam Jung; Trainer: Matthias Heineke

HBW Handball Balingen-Weilstetten II: Andreas Uttke, Filip Baranasic, Elias Fügel (1), Dennis Fuoß (4), Elias Huber (3), Jan Bitzer, Jerry Odirin , Christoph Foth (3), Silas Wagner (2), Lars Bänsch, Luca Munzinger (4), Tim Hildenbrand (5), Till Wente (1), Louis Mann (1), Micha Thiemann, Pia Maurer; Trainer: Micha Thiemann

Schiedsrichter: Paul Kijowsky, Lukas Strüder

Gelb: Ruben Sigle (2.), Tim Düren (5.) / Dennis Fuoß, Christoph Foth (7.), Jan Bitzer (3.)

Strafminuten: 4:6

2 Minuten: Tobias Gehrke, Jakub Strýc / Elias Huber, Elias Huber, Christoph Foth

Vergebene Siebenmeter: Marcel Lenz, Marcel Lenz / Dennis Fuoß