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Ruben Sigoe

Erster Auswärtspunkt im ersten Auswärtsspiel



Die Handballer des HCOB spielen 24:24 bei der HSG Hanau und sind sich nicht so sicher, ob sie sich freuen oder ärgern sollen

Der HC Oppenweiler/Backnang hat vom ersten Auswärtsspiel der Aufstiegsrunde zur zweiten Handball-Bundesliga einen Punkt mitgebracht. Bei der HSG Hanau gab es nach 60 spannenden Minuten ein 24:24. Der HCOB lag zwischendurch sechs Tore hinten, hätte die Partie in einer dominant gestalteten zweiten Halbzeit aber zu seinen Gunsten entscheiden können. In den letzten Minuten ließen die Murrtaler aber zu viele gute Chancen aus.

Die Hanauer verdienten sich den Punkt vor allem in den ersten 20 Minuten. Sie gingen in der Abwehr sehr engagiert zur Sache und eroberten viele Bälle. Die HCOB-Handballer wirkten dabei nicht entschlossen genug, manchmal ein bisschen zögerlich – und das nutzten die in dieser Phase wie euphorisiert aufspielenden Gastgeber konsequent aus. Sie lagen schnell mit 5:1 und 9:3 vorn. Ihre Tore erzielten sie durch Gegenstöße und durch Kombinationen über den treffsicheren Kreisläufer Lucas Lorenz. Außerdem bekamen sie viele Siebenmeter zugesprochen.

Nach rund 15 Minuten begann der HCOB, besser in die Partie zu finden. Zunächst schlug sich das aber aus einem einfachen Grund noch nicht auf der Anzeigetafel wieder: Die Chancenverwertung war nicht besonders gut. Mehrfach vergaben die Murrtaler vermeintlich hundertprozentige Torgelegenheiten. HSG-Keeper Sebastian Schermuly erwies sich als Meister seines Fachs, der Keeper machte ein gutes Spiel. Beim 14:8 war nach 22 Minuten der höchste Vorsprung erreicht.

Eine knifflige Situation für die Gäste, die sich in den letzten Minuten der ersten Halbzeit aber in die Partie hineinfuchsten. Die Abwehr stand besser, und den Hanauern merkte man an: der riesige Aufwand der Anfangsphase hatte Kraft gekostet. Der HCOB kam Tor um Tor heran. Kurz vor dem Seitenwechsel traf Ruben Sigle zum 12:15. Nur noch drei Treffer Rückstand. Das bot eine neue Perspektive auf eine Trendwende.

Nach dem Seitenwechsel setzte der HCOB gleich erste Akzente. Marcel Lenz nutzte einen Konter, um sein Team weiter heranzuführen – und auch in der Folgezeit schwang sich der zum Auftakt gegen Horkheim noch fehlende Linksaußen zum prägenden Feldspieler auf. Immer wieder ging er auf die Reise und schloss sicher ab. Nebenbei glänzte er als sicherer Siebenmeterschütze.

Nach 41 Minuten war das erste Zwischenziel erreicht: der Ausgleichstreffer zum 18:18. Entscheidend dafür war die immense Steigerung in der Defensive. Schnellangriffe der HSG Hanau wurden im Keim erstickt, und der zur Pause eingewechselte Torwart Stefan Koppmeier tat das Seine, um die hessischen Angreifer zusehends zur Verzweiflung zu treiben. Der HCOB setzte sich durch zwei Siebenmetertreffer von Marcel Lenz auf 21:19 ab und war drauf und dran, die Begegnung zu drehen.

Allerdings ließen die Murrtaler zu viele Chancen aus, um das vielleicht schon vorentscheidende dritte Tor Abstand zu erzielen. Mal patzten sie mit leichtfertigen Fehlern im Aufbauspiel, ein Distanzwurf ging knapp am verwaisten Tor vorbei, und dann kamen Fehlwürfe in aussichtsreichen Wurfpositionen dazu. Darum ging mit einem knappen Vorsprung in die Schlussminuten, und in diesem dominierten die Abwehrreihen.

Der HCOB warf neun Minuten vor dem Ende sein 23. Tor, ließ dann aber mehrere Angriff ungenutzt. Hanau glich in Überzahl aus. Dass Kevin Wolf mit einem Mann weniger auf dem Feld umgehend die Führung zurück eroberte, war wichtig, reichte aber nicht zum Sieg. Denn fast im direkten Gegenzug erzielte Hanau das 24:24 – und das war zwei Minuten vor dem Abpfiff der Endstand. Beide Teams hatten noch die Chance zum Siegtreffer, doch auf beiden Seiten blieben die Keeper Sieger.

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Stimmen zum Spiel

Trainer Matthias Heineke:
„Das war ein zerfahrenes Spiel mit vielen technischen Fehlern auf beiden Seiten. Wir haben uns in der ersten Halbzeit schwer getan, weil Hanau ein hohes Tempo gegangen ist und unsere Ballverluste ausgenutzt hat. In der zweiten Halbzeit haben wir eine gute Kontrolle über das Spiel gehabt, ohne dabei zu glänzen. Wir schießen aber neun Minuten vor Schluss das 23. Tor und legen dann nur noch eins nach, obwohl wir genug Möglichkeiten hatten. Deswegen nehmen wir einen Punkt mit – auswärts ist jeder Punkt ein gewonnener Punkt – aber es hätte heute auch mehr sein dürfen.“

Torwart Stefan Koppmeier:
„Heute war es komplett anders als im ersten Spiel. Wir haben uns echt schwer getan, in das Spiel zu finden. Ich finde, wir sind ein bisschen überrascht worden, da war viel Tempo und viel Aggressivität in der Abwehr von Hanau, und wir haben zu viele Fehler gemacht. In der zweiten Halbzeit haben wir uns wieder stabilisiert. Da hatten wir es selbst in der Hand, wir müssen da hinten raus aber noch kaltschnäuziger werden. Aber mit einem Punkt auswärts können wir nicht unzufrieden sein.“

Sportlicher Leiter Jochen Bartels:
„Das war ein ziemlich verfahrenes Spiel. Beide Mannschaften waren nervös und haben ziemlich viele technische Fehler gemacht. Wenn man die erste Halbzeit anschaut, können wir froh sein, dass wir nur mit minus drei in die Mannschaft gehen. Dann gehen wir mit zwei weg, schaffen es aber leider nicht, das dritte Tor hinterherzulegen. Das wäre vielleicht der Knackpunkt gewesen. Unterm Strich hätte für uns ein Sieg normalerweise drin sein können. Aber wir waren nicht clever genug, und von daher geht das Unentschieden wohl in Ordnung.“

HSG-Trainer Hannes Geist:
„Es war ein leistungsgerechtes Unentschieden. Besonders im ersten Durchgang ähnelt sich der Spielverlauf zum vergangenen Spiel. Wir haben mit unglaublich viel Willen und Tempo nach vorne gespielt, machen aber schon da ein paar Fehler zu viel. Zur Halbzeit könnte der Spielstand auch schon deutlicher ausfallen. Im zweiten Durchgang wollten wir wieder mit Tempo vorangehen, aber Oppenweiler verteidigte das sehr gut.“

Rund ums Spiel

Es bleibt dabei: Auch nach sechs Spielen gibt es in der Süd-Gruppe der Aufstiegsrunde keinen Auswärtssieg. Dabei stand der HCOB wirklich knapp davor. Die Sichtweise, dass einerseits ein Punkt in der Fremde stets ein gewonnener Punkt sei, stand in den Gesprächen nach Spielende sehr im Zwiespalt zum Gefühl, dass andererseits ein Erfolg zum Greifen nahe war. Unterm Strich gelangt man zur Binsenweisheit, dass wohl erste die kommenden Wochen zeigen werden, was die Punkteteilung in der Main-Kinzig-Halle wert war.

Tabellarisch hat der HCOB durch das Remis im nach zwei Spielen natürlich noch nicht übertrieben aussagefähigen Ranking seine Spitzenposition verteidigt. Die Murrtaler haben wie auch die HSG Krefeld Niederrhein 3:1 Punkte. Das von allen sieben Teams am nördlichsten beheimatete Team der Südgruppe spielte 28:28 beim TV 08 Willstätt, gab dabei eine deutliche Führung aus der Hand. Die Willstätter wiederum sind am kommenden Samstag um 20 Uhr der dritte Gegner des HCOB in der Aufstiegsrunde.

Spielverlauf: 5:1, 9:4, 13:7, 15:12 – 18:18, 21:23, 24:24.

HSG Hanau – HC Oppenweiler/Backnang 24:24

HSG Hanau:
Sebastian Schermuly, Fabian Tomm (Tor), Niklas Schierling, Michael Hemmer (2), Dennis Gerst (4), Jonas Ahrensmeier (1), Marc Strohl (7/6), Nils Schröder, Luca Braun, Robin Marquardt, David Rivic, Maximilian Bergold (1/1), Marius Brüggemann (1), Yaron Pillmann, Jannik Ruppert (3), Lucas Lorenz (5). – Trainer: Hannes Geist.

HC Oppenweiler/Backnang:
Jürgen Müller, Stefan Koppmeier (Tor), Marcel Lenz (8/4), Timm Buck (2), Felix Raff (1), Ruben Sigle (4), Kevin Wolf (3), Philipp Schöbinger, Evgeni Prasolov (2), Jakub Strýc, Johannes Csauth (n.e.), Florian Frank (n.e.), Philipp Maurer (1), Eric Bühler (1), Lukas Rauh (n.e.), Tim Düren (2). – Trainer: Matthias Heineke.

Schiedsrichter: Paul Kijowsky (Wiesbaden) und Lukas Strüder (Mainz).

Zuschauer: 0.

Siebenmeter: 7/8 : 4/5 (Strohl scheitert an Koppmeier – Lenz scheitert an Schermuly).

Zeitstrafen: 6:8 Minuten (Pillmann/zweimal und nach Disqualifikation – Düren/zweimal, Prasolov, Strýc).

Disqualifikation: Pillmann (53., Foul an Sigle).